Service Portal für Groß- und Einzelhandel
MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Für die Kunden, Mitarbeiter undSupport-Partner der Andernacher SHD Datentechnik sind mit demneuen Web-basierten "Internet/Intranet Support Information System" (ISIS) neue Zeiten angebrochen.Realisiert wurde das
Integrationsprojekt auf Basis eines postrelationalen Datenbankmanagementsystems,
das mit seinem Mix aus SQL-, Objekt- und direktem Zugriff eine effiziente Entwicklung ermöglichte. Von Alexander Deindl
Seit der Live-Schaltung ihres
ISIS- Portals im Mai diesen Jahres
können die SHD-Kunden vonüberall her auf das interne Service-Angebot des auf Einzel- und
Großhandel spezialisierten Software-
und Systemhauses zugreifen
und sämtliche Informationen zu
installierter Hard- und Software in
Kundensystemen transparent darstellen,
optisch aufbereiten, verändern
und pflegen.
Performance misst Peter Burnes,
Abteilungsleiter Systementwicklung
bei der SHD Datentechnik,
längst nicht mehr nur in Transaktionen
pro Sekunde: "Seit wir uns
für die Migration auf eine postrelationale
Datenbank entschieden haben,
sparen wir rund 50 Prozent
der Entwicklungszeit ein", gibt der
EDV-Profi stattdessen zu Protokoll.
Diese - für IT-Verhältnisse recht
außergewöhnliche - Effektivitätssteigerung
resultiert keineswegs
aus etwaigen Investitionen in leistungsfähigere
Hardware. Vielmehr
hatte sich das Management der
SHD Datentechnik im Frühjahr
2001 für den Austausch der bis
dato existierenden Entwicklungsumgebung
gegen ein postrelationales
Datenbankmanagementsystem
(DBMS) entschieden, als es
darum ging, ein Pflichtenheft für
das E-Business-Projekt ISIS auf
die Beine zu stellen:
"Wir benötigten
eine Hochleistungsdatenbank
für die Entwicklung und Integration
komplexer Applikationen, die
uns hinsichtlich der Leistungsfähigkeit
sowie Skalierbarkeit überzeugte und uns doch gleichzeitig
umfangreiche Freiheiten
hinsichtlich der Flexibilität ließ",
begründet der Verantwortliche,
weshalb die Andernacher den bis
zu jenem Zeitpunkt verwendeten
Standards "php" und "My SQL"
den Laufpass gaben.
Flexibel ist nun auch das Ergebnis
dieser IT-Philosophie. Konkret
handelt es sich bei ISIS um ein
sogenanntes Service-Portal für
E-Business-Anforderungen, bestehend
aus einer Informationsdatenbank"
und einem "Support-
Tool".
Das Support-Werkzeug gewährleistet
sowohl den Mitarbeitern
im eigenen Unternehmen und
externen Support-Partnern, als
auch dem vornehmlich aus Einzel und
Großhändlern in der Möbel-,
Sanitär- und Elektrobranche bestehenden
Kundenstamm via Internet-Anbindung beziehungsweise über das firmeneigene Intranet
einen bequemen Zugriff auf die internen
Dienste des Servicebereichs.
Gewissermaßen als "Bonus"
zu dem kommerziell verfügbaren
SHD-Produktportfolio aus
System- und Organisationslösungen
wie Finanzbuchhaltung, Lagersteuerung
oder Personalplanung,
besitzt die Klientel des Andernacher
Konzerns mit ISIS rund
um die Uhr die Option, einen neuen
Servicefall zu eröffnen, ihn optisch
aufzubereiten, zu verändern
und ihn zu protokollieren.
ISIS dient in erster Linie der
Auskunft, Recherche sowie der ei-
gentlichen Bearbeitung von Support-Calls nach zuvor definierten
Benutzer-Berechtigungen. Integrierte
Dokumenten-Management-Funktionen erlauben etwa
die vollautomatische Annahme
eingehender Kunden-Calls per Internet,
Mail oder Fax.
Möglich
wird dieses "digitale Callcenter"
durch Einbindung eines eigenen
Dokumenten-Servers, der eingehende
E-Mails von einem POP3-Mail-Server und empfangene Telefaxe
von einem Fax-Server in einen
dedizierten Dokumenten-Pool überträgt. In dieser "Sammelstation"
können die eingegangenen
Dokumente von den autorisierten
Mitarbeitern gesichtet und direkt
mit den jeweiligen Support-Calls
verknüpft werden.
Darüber hinaus lassen sich zusätzlich
angelegte Dokumente wie
beispielsweise geschäftstypische
Formbriefe im klassischen Rich-Text-Format per Browser-Upload
in den Dokumenten-Pool übertragen
und von beliebigen Mitarbeitern
bearbeiten oder ausdrucken.
Der Clou: Sämtliche Dokumente
residieren nicht als einzelne Dateien
auf einem separaten Festplattenbereich,
sondern werden in einem
Dokumenten-Pool komplett
innerhalb der Datenbank als so genannte
Streamdaten abgelegt. Damit
ermöglicht die SHD Datentechnik
ihren Mitarbeitern einen
ortsunabhängigen Zugriff auf die
archivierten Files.
Zu den ausgehenden Kommunikationsmöglichkeiten
von ISIS
gehören Mail, Fax sowie eine automatische
Anwahl per Computer
Telephony Integration (CTI) mittels
eines eigenen Programmes
(RAS-Dialer). Ebenso sorgt eine
vereinfachte Speicherung neuer
Telefonnummern und Adressen in
elektronischen Verzeichnissen
und nicht zuletzt die einfache Anwahl
von Gesprächspartnern per
Mausklick für mehr Effizienz in
der täglichen Arbeit. Sämtliche
Aktionen des Benutzers setzen dabei
lediglich einen Java-kompatiblen
Browser voraus.
Burnes Resümee:"Alles in allem führen diese
Funktionen zu einer deutlichen
qualitativen Verbesserung der
Dienstleistung und vor allem zu einer
erheblichen Zeitersparnis im
Alltagsgeschäft".
Multidimensionaler Datenzugriff
Doch um das im Sommer letzten
Jahres begonnene E-Business-Engagement
auch technologisch zu
verwirklichen, ging es für die
SHD-Spezialisten zunächst darum,
sich nach einer geeigneten
Entwicklungsumgebung umzusehen:"Wir haben uns schließlich
für die postrelationale Datenbank
Caché 4.1 von InterSystems entschieden,
weil wir mit den verwendeten
Plattformen php und My
SQL sehr früh an unsere Grenzen
gestoßen waren", konstatiert der
IT-Verantwortliche.
Anders als relationale Datenbankmanagementsysteme
bietet
Caché nicht nur den für relationale
Derivate üblichen SQL-, sondern
gleichzeitig auch einen objektorientierten
und selbst einen direkten
multidimensionalen Zugriff auf
die Informationen, ohne dass zusätzliche
programmiertechnische
Modifikationen nötig sind. Burnes
konkretisiert: "Zugriffe sind mit
Caché sowohl über JDBC, ODBC
oder SQL - wie in unserem Fall auf
das Navision-ERP - als auch direkt
mit anderen Entwicklungstools
möglich".
Über eine generische DLL-Anbindung
innerhalb von Caché
gleicht die SHD Datentechnik täglich
Informationen aus dem Navision-ERP-System mit der InterSystems-Datenbank ab. Gleichzeitig
lassen sich die im ERP-System
vorhandenen Daten per SHD-eigener
Schnittstelle (die ODBCTreiber
von ISC nutzt) synchronisieren.
Anwender erhalten so stets
den konsolidierten Zugriff auf den
jeweils aktuellen Datenbestand.
Grundsätzlich ist es den SHD Technikern
durch den Einsatz von
Caché als Anwendungsplattform
gelungen, das traditionelle relationale
und das modernere objektorientierte
Speichermodell unter einen
Hut zu bringen. Die SHD Datentechnik
hatte dadurch Burnes
zufolge "die einmalige Chance, ein
grafisches Frontend für den komfortablen
Zugriff zu generieren,
ohne die relationale Struktur der
auf den verschiedenen Servern residierenden
Daten verändern zu
müssen".
So konnte sogar gewährleistet
werden, dass ein Benutzer via grafischem
Interface und ein anderer
via ASCII-Schnittstelle auf ein und
denselben Datenbestand zugreift.
Der Schlüssel zu einem derartigen
Entwicklungskonzept liegt darin,
dass Daten in ihrer gesamten Komplexität innerhalb eines Objekts
abgelegt werden können.
Vergleichbar sei dies mit "einem
Auto, das man in die Garage fährt
und das nicht, wie bei SQL der
Fall, in Teilen nach Stoßstangen
und Reifen sortiert abgestellt werden
muss, um es später vor dem
Herausfahren wieder zu montieren",
betont Burnes den objektorientierten
Ansatz der Anwendung.
Ähnlich unproblematisch sollte
denn auch die systemspezifische
Umstellung beim Kunden erfolgen,
um bereits getätigte Investitionen
nicht zu gefährden. Laut
Burnes achtete die SHD Datentechnik
während der Entwicklung
darauf, dass die vom IT-Dienstleister
vermarkteten Warenwirtschaftssysteme
auf derselben Datenbank
aufsetzen: "Kunden müssen
also nicht gleich eine andere
Warenwirtschaft erwerben, nur
um Caché nutzen zu können. Der
Kunde bekommt einfach eine neue
Datenbank und kann seine existierenden
ERP-Systeme nach wie vor
verwenden, ganz egal, ob im Hintergrund
ein Terminal steht oder
nicht".
Für die hohen Performance-Steigerungen mit Caché 4.1 hat
Burnes eine wesentlich technischere
Erklärung parat: Anders als bei
anderen Architekturen finden mit
den implementierten Caché Server
Pages (CSP) sowohl die Datenverarbeitung
als auch die logische
Verarbeitung auf ein und demselben
Server statt, während sonst die
Informationen kontinuierlich zwischen
Datenbank- und Web-Server
konsolidiert werden müssen.
Einmal geschriebene Anwendungen
lassen sich durch dieses
Prinzip wesentlich schneller ausführen,
weil die gesamte Kommunikation
zum Laden und Verarbeiten
der Daten entfällt. Dieser technische
Clou führt schließlich zu einer
Entlastung des Webservers,
"und das bringt den entscheidenden
Performance-Zuwachs", so
die Erfahrung Burnes´.
Augenscheinlich wurde ein signifikanter
Zeitgewinn allerdings
schon während der Entwicklung
des Service-Portals, weil die Programmierer
so genannte Code und
Tag basierende Entwicklungsmethoden
erstellt haben. Durch die in
Caché integrierten vordefinierten
Schnittstellen zwischen HTML Seiten
und Datenbank-orientierten
Geschäftslogiken ließ sich die
Interaktion der Komponenten zudem
während jeder Entwicklungsstufe
testen. Burnes: "Caché hat
uns durch die komfortablen Möglichkeiten
zur Abbildung komplexer
Zusammenhänge überzeugt".
Dazu zählten neben der engen
Verknüpfung mit der internen Unternehmenskommunikation
unter
anderem auch Abhängigkeiten, die
beispielsweise zwischen dem Portal
und der Verfügbarkeit von
benötigten IT-Komponenten für
SHD-Kunden bewerkstelligt werden
mussten.
Hinzu kommen umfangreiche
Abfrage- und Suchfunktionen, die
die SHD Datentechnik für die
Entwicklung und den Ablauf der
E-Business-Anwendung ISIS
zwingend vorausgesetzt hatte.
Nicht weniger relevant für den Zuschlag
an InterSystems war denn
auch die zugesicherte Kompatibilität
der postrelationalen Datenbank
mit momentan marktführenden
Programmier-Tools.
Aufgrund der von Caché unterstützten
Werkzeuge Visual Basic
und Delphi konnte der IT-Dienstleister
auf angestammtes Knowhow
innerhalb des Entwicklungsteams
zurückgreifen. Verantwortlich
für die halbierte Entwicklungszeit
im Vergleich zu php und
My SQL macht der IT-Experte
nicht zuletzt auch die "Verträglichkeit"
zwischen Caché Objects
und der Extensible Markup Language
(XML). Bestehende Caché-
Objects-Applikationen sind ohne
Veränderung auch XML-fähig.
Denn anstelle von klassischem
HTML-Code "konvertiert" ein
implementierter Caché-Wizard
entsprechende Klassen und deren
Eigenschaften automatisch in das
XML-konforme Format. Einzelne
Klassen lassen sich so relativ
mühelos als XML-Dokumente
darstellen, die ihrerseits anschließend
als eigenständige Dateien
oder Online-Inhalte weiterverwendet
werden können. Im
Gegenzug ist es möglich, existierende
XML-Dokumente automatisch
in ein Caché-Objekt umzuwandeln.
Technische Raffinessen, die auch
nach der Überzeugung des für den
Vertrieb zuständigen Geschäftsführers
Gerhard Zoche mit derzeit
erhältlichen relationalen Datenbank-Modellen, zumindest so
nicht realisierbar gewesen wären: "Caché ist den Datenbankprodukten
der Konkurrenten in diesen
Aspekten ein gutes Stück voraus",
konstatiert der Manager, nicht ohne
aber gleichzeitig einen Wermutstropfen
zu erwähnen: "Es ist
schade, dass die Datenbank noch
nicht die Popularität von Oracle
und Co. besitzt, aber das könne ja
noch kommen".
Erste öffentliche Lorbeeren für
das Service-Portal ISIS konnte die
SHD Datentechnik unterdessen
Ende April 2002 bei einem internationalen
Innovationswettbewerb
in Orlando, Florida, ernten: Unter
weltweit 26 Nominierungen erhielt
das Software- und Systemhaus
vom Marktforschungsinstitut
International Data Corp. (IDC)
den zweiten Preis des diesjährigen
Caché Innovator Award. Grund
genug für den Geschäftsführer, an
die ökonomische Zukunft des bislang
nur firmenintern genutzten
Service- und Support-Tools zu
denken: "Im nächsten Jahr werden
wir ISIS auch kommerziell - etwa
für den Bereich von Reklamationsverarbeitungen
- aktiv vermarkten".

